Islandpferd
Das Islandpferd ist eine aus Island stammende, kleinwüchsige Pferderasse, die sich durch ihre außergewöhnliche Gangvielfalt auszeichnet und neben den vier klassischen Grundgangarten auch den Tölt sowie häufig den Pass beherrscht.

Das Islandpferd gehört zu den ältesten und reinsten Pferderassen der Welt. Seine Vorfahren wurden im 9. und 10. Jahrhundert von nordischen Siedlern nach Island gebracht, vorwiegend aus Norwegen, den Britischen Inseln und anderen skandinavischen Gebieten. Seit dem Jahr 982 n. Chr. verbietet ein isländisches Gesetz die Einfuhr von Pferden auf die Insel, was über Jahrhunderte zu einer vollständigen genetischen Isolation der Rasse führte. Islandpferde, die Island einmal verlassen haben, dürfen nicht mehr zurückgebracht werden – eine Regelung, die dem strengen Seuchenschutz dient und die genetische Reinheit der Rasse bewahrt.
Erscheinungsbild und Körperbau
Islandpferde erreichen eine Widerristhöhe von etwa 130 bis 145 Zentimetern und werden trotz dieser Größe offiziell als Pferde und nicht als Ponys bezeichnet. Sie besitzen einen kräftigen, kompakten Körperbau mit einem breiten Rücken, einem tiefen Brustkorb und robusten Beinen. Der Kopf ist ausdrucksstark, oft mit einer breiten Stirn, und das Haarkleid ist besonders dicht und wetterfest, was die Tiere an das raue isländische Klima angepasst hat. Mähne und Schweif sind üppig und voll. Die Rasse kommt in nahezu allen Farben vor, darunter Fuchs, Rappe, Schimmel, Falbe und Schecke.
Gangarten
Das herausragende Merkmal des Islandpferdes ist seine Gangvielfalt. Neben den drei klassischen Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp verfügt es mindestens über den Tölt, viele Tiere beherrschen zusätzlich den Pass.
Der Tölt ist eine viertaktige Gangart, bei der das Pferd stets mindestens ein Bein am Boden hat. Er ähnelt im Fußungsschema dem Schritt, wird jedoch in deutlich höherem Tempo ausgeführt und gilt als besonders schwebend und erschütterungsarm. Der Tölt ist für den Reiter außerordentlich bequem und ermöglichte auf dem rauen isländischen Gelände ein effizientes und schonendes Reisen über weite Strecken.
Der Pass (isländisch: Skeið) ist eine zweitaktige diagonale Seitengangenteilung, bei der jeweils beide Beine einer Körperseite gleichzeitig fußen. Er wird in hohem Tempo geritten und ist Gegenstand spezieller Rennveranstaltungen. Nicht alle Islandpferde beherrschen den Pass, da er zu einem gewissen Grad genetisch bedingt ist. Pferde mit allen fünf Gangarten werden als „Fünfgänger" bezeichnet.
Charakter und Verwendung
Islandpferde gelten als ausgeglichen, zuverlässig, trittsicher und lernwillig. Sie sind bekannt für ihre Eigenständigkeit und Konditionsstärke. Auf Island wurden sie traditionell als universelles Nutz- und Arbeitspferd eingesetzt, etwa für das Treiben von Schafen und das Reisen durch schwieriges Gelände. Heute werden sie weltweit im Freizeitreitsport, im Distanzreiten sowie im islandpferdespezifischen Turniersport genutzt, der unter dem Dachverband FEIF (Internationale Vereinigung der Islandpferdeverbände) organisiert wird.
Zucht und Verbreitung
Die internationale Zucht unterliegt strengen Richtlinien, die durch die FEIF koordiniert werden. Zuchttiere werden anhand von Gangqualität, Körperbau, Rittigkeit und Charakter beurteilt. Heute leben Islandpferde in großer Zahl in Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Schweden und anderen europäischen Ländern sowie in Nordamerika. Der weltweite Bestand wird auf mehrere hunderttausend Tiere geschätzt, wobei Island selbst nach wie vor eine der größten Populationen beherbergt.
Häufige Fragen
Was ist ein Islandpferd?
Das Islandpferd ist eine kleinwüchsige, aus Island stammende Pferderasse, die sich vor allem durch ihre außergewöhnliche Gangvielfalt auszeichnet, zu der neben Schritt, Trab und Galopp auch der Tölt und häufig der Pass gehören. Trotz einer Widerristhöhe von nur 130 bis 145 Zentimetern wird es offiziell als Pferd und nicht als Pony bezeichnet.
Warum dürfen Islandpferde nicht nach Island zurück?
Islandpferde, die die Insel einmal verlassen haben, dürfen aus Gründen des strengen Seuchenschutzes nicht mehr nach Island zurückgebracht werden. Dieses Prinzip geht auf ein Gesetz aus dem Jahr 982 n. Chr. zurück, das die Einfuhr von Pferden auf die Insel grundsätzlich verbietet und die genetische Reinheit der Rasse über Jahrhunderte gesichert hat.
Was ist der Tölt beim Islandpferd?
Der Tölt ist eine viertaktige Sondergangart des Islandpferdes, bei der das Tier stets mindestens ein Bein am Boden hat. Er gilt als besonders schwebend und rückschonend für den Reiter und ist das bekannteste Merkmal der Rasse.
Welche Farben gibt es beim Islandpferd?
Islandpferde kommen in nahezu allen Fellfarben vor, darunter Fuchs, Rappe, Schimmel, Falbe und Schecke. Die Rasse zählt damit zu den farblich vielfältigsten Pferderassen überhaupt.
Ist das Islandpferd eine alte Pferderasse?
Das Islandpferd gehört zu den ältesten und reinsten Pferderassen der Welt. Seine Vorfahren wurden im 9. und 10. Jahrhundert von nordischen Siedlern, vorwiegend aus Norwegen und den Britischen Inseln, nach Island gebracht, und die anschließende genetische Isolation hat die Rasse seither kaum verändert.