Kandare
Die Kandare ist ein zweiteiliges Gebiss aus Stangengebiss und Kandarenkette, das im Zusammenspiel mit einem separaten Zügelpaar auf Pferdemaul, Kinngrube und Genick einwirkt und vor allem in der klassischen Dressur verwendet wird.

Die Kandare zählt zu den wirkungsstärksten Gebissen im Reitsport und wird traditionell in Verbindung mit einem Trensenzaum als Teil der Doppeltrense eingesetzt. Im Gegensatz zur einfachen Trense entfaltet sie ihre Wirkung nicht allein im Maul des Pferdes, sondern nutzt ein Hebelprinzip, das mehrere anatomische Punkte gleichzeitig anspricht.
Aufbau und Funktionsweise
Das Herzstück der Kandare ist die Stangestange, eine meist gerade oder leicht gebogene Metallstange mit seitlichen Schenkeln, den sogenannten Zügelringen und Anzügen. An den unteren Enden der Schenkel greift der Kandarenzügel an, während die Kandarenkette – eine flach liegende Kettengliederkette – im Kinngrund des Pferdes liegt und an den oberen Enden der Schenkel eingehängt wird. Wird der Kandarenzügel angezogen, dreht sich die Stange im Maul des Pferdes und bewirkt über das Hebelprinzip gleichzeitig Druck auf den Kinngrund durch die Kette sowie auf das Genick durch den Nasenriemen des Zaums. Das Verhältnis von oberem zu unterem Schenkelteil bestimmt die Stärke der Hebelwirkung: Je länger der untere Schenkel, desto ausgeprägter ist die Wirkung.
Varianten
Es gibt verschiedene Kandarenformen, die sich in Stangenkrümmung, Mundstückbreite und Schenkellänge unterscheiden. Eine stärker gewölbte Stange lässt dem Zungenraum mehr Platz und wirkt dadurch milder, während eine flache Stange stärker auf die Zunge drückt. Verbreitete Ausführungen sind die Weymouth-Kandare, die im englischen Dressursport üblich ist, sowie die spanische oder portugiesische Kandare, die in der iberischen Reitkultur und der Arbeit mit Pferden im traditionellen Stil Verwendung findet.
Einsatzgebiet und Anforderungen
Die Kandare ist kein Gebiss für die Grundausbildung. Ihr Einsatz setzt voraus, dass das Pferd bereits auf die Trense losgelassen, d. h. entspannt und durchlässig reagiert, und der Reiter über eine ruhige, feinfühlige Hand verfügt. In der klassischen Dressur ab der Klasse S sowie in der Vielseitigkeit ist die Doppeltrense – bestehend aus Kandare und Trense – vorgeschrieben. Im Alltag und in der Ausbildung wird die Kandare nur selten eingesetzt und sollte stets von erfahrenen Reitern geführt werden, da unsachgemäße Anwendung zu erheblichen Schmerzen und Schäden im Pferdemaul führen kann.
Pflege und Passform
Eine korrekte Passform der Kandarenkette ist entscheidend für eine sachgemäße Wirkung. Die Kette sollte flach anliegen, wenn der Kandarenzügel angezogen wird, und einen Winkel von etwa 45 Grad bilden. Zu straff eingehängt drückt sie bereits im Ruhezustand, zu locker verliert sie ihre regulierende Funktion. Regelmäßige Reinigung und Kontrolle auf Rostansätze oder scharfe Kanten sind zur Erhaltung der Funktionsfähigkeit und zum Schutz des Pferdes unerlässlich.
Häufige Fragen
Was ist eine Kandare?
Die Kandare ist ein zweiteiliges Gebiss aus Stangengebiss und Kandarenkette, das über ein Hebelprinzip gleichzeitig auf Pferdemaul, Kinngrube und Genick einwirkt. Sie zählt zu den wirkungsstärksten Gebissen im Reitsport und wird vor allem in der klassischen Dressur eingesetzt.
Wie funktioniert eine Kandare?
Wird der Kandarenzügel angezogen, dreht sich die Stange im Maul des Pferdes und erzeugt über ein Hebelprinzip gleichzeitig Druck auf den Kinngrund durch die Kandarenkette sowie auf das Genick durch den Nasenriemen des Zaums. Je länger der untere Schenkel der Kandare, desto stärker ist die Hebelwirkung.
Was ist der Unterschied zwischen Kandare und Trense?
Im Gegensatz zur einfachen Trense wirkt die Kandare nicht allein im Maul des Pferdes, sondern spricht über ein Hebelprinzip mehrere anatomische Punkte gleichzeitig an. Traditionell wird die Kandare gemeinsam mit einer Trense als Teil der sogenannten Doppeltrense verwendet.
Welche Kandarenformen gibt es?
Verbreitete Ausführungen sind unter anderem die Weymouth-Kandare, die im englischen Dressursport üblich ist, sowie Formen aus der iberischen Reitkunst wie die spanische oder portugiesische Kandare. Sie unterscheiden sich in Stangenkrümmung, Mundstückbreite und Schenkellänge, wobei eine stärker gewölbte Stange milder wirkt als eine flache.
Ist die Kandare für Anfänger geeignet?
Die Kandare zählt zu den wirkungsstärksten Gebissen im Reitsport und ist aufgrund ihrer ausgeprägten Hebelwirkung auf mehrere anatomische Punkte des Pferdes nicht für Anfänger geeignet. Sie setzt sowohl beim Reiter als auch beim Pferd einen hohen Ausbildungsstand voraus.