Was ist ein Springreiten?
Springreiten ist eine olympische Disziplin, in der Reiter und Pferd einen Hindernis-Parcours möglichst fehlerfrei und in der vorgegebenen Zeit überwinden. Geprüft werden Vermögen, Galoppade, Mut und das präzise Zusammenspiel von Reiter und Pferd.
Springreiten ist neben Dressurreiten und Vielseitigkeit eine der drei klassischen olympischen Reitsport-Disziplinen. Pferd und Reiter müssen einen Parcours mit Hindernissen unterschiedlicher Höhe und Bauart fehlerfrei innerhalb einer vorgegebenen Zeit absolvieren.
Anders als in der Dressur geht es nicht um die Lektion in der Bahn, sondern um das präzise Anreiten, das richtige Distanzgefühl und das Vermögen des Pferdes, die Hindernisse abzubauen, ohne sie zu berühren.
Herkunft und Geschichte
Springreiten als organisierter Sport entwickelte sich im 19. Jahrhundert in Großbritannien und Frankreich. Mit der industriellen Einzäunung von Feldern wurde Hindernis-Springen zu einer praktischen Notwendigkeit für Reiter und Jäger.
1900 wurde Springreiten erstmals olympisch (Paris). Der internationale Dachverband ist die FEI.
Bewertung und Wertungssystem
Im Standard-Wertungssystem zählen:
- Abwurf (Stange fällt) → 4 Strafpunkte
- Verweigerung (Pferd bleibt vor dem Sprung stehen) → erste Verweigerung 4 Strafpunkte, zweite Disqualifikation
- Zeitüberschreitung → 1 Strafpunkt pro angefangener Sekunde
- Sturz von Reiter oder Pferd → Disqualifikation
Ziel: Null-Fehler-Runde innerhalb der erlaubten Zeit. Bei mehreren Null-Fehler-Reitern entscheidet ein Stechen (kürzerer Parcours, Zeit zählt).
Typische Hindernisse
- Steilsprung — vertikales Hindernis
- Oxer — Doppelhindernis (zwei Stangen hintereinander)
- Triple Bar — drei steigende Stangen
- Wassergraben (Liverpool, Open Water)
- Mauer — feste Mauer aus Blöcken
- Kombination — zwei oder drei Hindernisse in kurzem Abstand
Klassen
In Deutschland wird in folgenden Klassen geprüft:
- Klasse E — Einsteiger (60–70 cm)
- Klasse A — Anfänger (80–95 cm)
- Klasse L — Leicht (1,00–1,15 m)
- Klasse M — Mittelschwer (1,20–1,35 m)
- Klasse S — Schwer (1,40 m+)
- Großer Preis / Weltcup / Olympia — bis 1,65 m
Pferde im Springsport
Vorrangig Holsteiner, Oldenburger, Hannoveraner, daneben auch Belgisches Warmblut, KWPN (Niederländisches Warmblut), Selle Français. Wichtige Eigenschaften: Galoppade, Vermögen, Technik (Knietechnik vor dem Sprung), Mut, Sorgfalt und Kondition.
Für wen eignet sich Springreiten?
Springreiten passt zu Reitern mit gutem Gleichgewichtsgefühl, einem festen Sitz und der Lust am dynamischen Reiten. Auch der Einstieg ist auf niedrigem Niveau (Cavaletti, Klasse E) möglich. Wer höher hinaus will, braucht ein gut ausgebildetes Pferd, viel Training und Erfahrung im Anreiten.
Häufige Fragen zum Springreiten
Welches Pferd brauche ich fürs Springen?
Holsteiner, Oldenburger, Hannoveraner und KWPN sind klassische Springpferderassen. Für den Einstieg reicht aber jedes gesunde, springwillige Pferd. Wichtig ist gute Galoppade und das passende Vermögen für die angestrebte Höhe.
Wie hoch springen Profi-Reiter?
Im Großen Preis und auf Olympia-Niveau sind Hindernisse zwischen 1,50 m und 1,65 m üblich. Im hohen Stech-Springen können vereinzelt auch 2 m erreicht werden.
Was ist ein Oxer?
Ein Oxer ist ein Hindernis aus zwei Stangenreihen hintereinander. Er kann gleich hoch (Square Oxer), aufsteigend (Aufstieg), oder abfallend gebaut sein. Oxer fordern vom Pferd Weite über das Hindernis hinaus.