Was ist ein Hufrehe?
Hufrehe ist eine schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut, bei der sich die Verbindung zwischen Hufkapsel und Hufbein lösen kann. Sie ist ein medizinischer Notfall — frühe Erkennung, sofortige Tierarzt-Konsultation und konsequente Fütterungs-Anpassung sind entscheidend.
Hufrehe (lateinisch Pododermatitis aseptica diffusa, englisch Laminitis) ist eine der gefürchtetsten Erkrankungen beim Pferd. Sie betrifft die Huflederhaut — die Schicht, die das Hufbein im Hufschuh befestigt. Bei einer Rehe entzündet sich diese Schicht, kann ihre Verbindung verlieren und das Hufbein verschiebt sich oder rotiert nach unten.
Eine unbehandelte oder zu spät erkannte Rehe kann irreparable Schäden an der Hufstruktur verursachen — bis hin zur Notwendigkeit der Euthanasie.
Ursachen
Hufrehe ist meist eine Folgeerkrankung anderer Stoffwechsel- oder Belastungs-Probleme. Häufige Auslöser:
- Fütterungsrehe — zu viel leicht verdauliche Kohlenhydrate (Frühlingsgras, Hafer, Getreide); meist die häufigste Ursache
- Belastungsrehe — einseitige Überlastung eines Beins (z. B. nach Verletzung am anderen)
- Geburtsrehe — bei Stuten, wenn nach der Geburt die Nachgeburt nicht abgeht
- Vergiftungsrehe — durch Eichelvergiftung, Schimmelpilze im Futter, falsche Medikamente
- EMS/Cushing-Pferde — Pferde mit Equinem Metabolischem Syndrom oder Cushing haben ein deutlich erhöhtes Reherisiko
Symptome
Frühe Anzeichen ernst nehmen — Hufrehe ist ein medizinischer Notfall:
- Klamme, steife Bewegung, vor allem auf hartem Boden
- Vorderbeine weit nach vorne gestellt (Versuch, das Gewicht auf die Hinterhand zu verlagern)
- Widerwille, sich zu bewegen — Pferd will nicht von der Stelle
- Vermehrtes Liegen
- Pulsation an den Mittelfußarterien (deutlich fühlbar)
- Wärmestau im Huf (Huf fühlt sich warm an)
- Erhöhte Atem- und Herzfrequenz, manchmal Zittern
Sofortmaßnahmen
- Pferd nicht mehr bewegen. Stehenlassen, möglichst auf weichem Untergrund (Sand, Späne, Stroh).
- Tierarzt rufen — Notfall. Hufrehe ist immer ein Tierarzt-Fall.
- Wasser anbieten. Kein zusätzliches Futter (besonders kein Kraftfutter).
- Hufe kühlen. Eis oder kaltes Wasser für mehrere Stunden — reduziert Entzündung.
- Paddock/Weide sperren. Keine Bewegung, kein Grasen mehr.
Behandlung (vom Tierarzt)
- Entzündungshemmer (NSAIDs wie Phenylbutazon)
- Korrekte Hufbearbeitung (Hufschmied) — Entlastung der Hufkapsel
- Spezialbeschlag oder Reha-Eisen, je nach Schweregrad
- Fütterungsumstellung — strikt zucker- und stärke-reduziert
- Behandlung der Grunderkrankung (EMS, Cushing) parallel
Prognose
Frühe Erkennung und konsequente Behandlung entscheiden über den Verlauf. Leichte Rehe-Schübe können folgenlos abheilen. Schwere Verläufe mit Hufbein-Rotation oder Durchbruch der Sohlenhaut sind dauerhaft eingeschränkend — manche Pferde können nicht mehr sport-tauglich werden.
Vorbeugung
- Futter: zucker-/stärke-arm; Kraftfutter dosiert; auf raue Heuration achten
- Anweide: im Frühjahr langsam und kontrolliert (max. 15 Minuten Tag 1, dann steigern)
- Übergewicht: vermeiden — fettleibige Pferde haben ein deutlich höheres Risiko
- Stoffwechsel-Check: bei Hufrehe-anfälligen Pferden regelmäßig EMS- und Cushing-Tests
- Hufpflege: alle 6–8 Wochen vom Schmied
- Belastung: kranke oder verletzte Beine entlasten, das gegenüberliegende beobachten
Häufige Fragen zur Hufrehe
Kann mein Pferd nach Hufrehe wieder geritten werden?
Bei leichten Rehe-Schüben, die früh erkannt und konsequent behandelt wurden, ist eine Rückkehr zum Reitbetrieb möglich. Bei schwereren Verläufen mit Hufbein-Rotation hängt es vom Restschaden ab — der Tierarzt entscheidet individuell.
Ist Frühlingsgras gefährlich?
Ja, besonders das junge, fruktanreiche Gras im Frühjahr kann eine Fütterungsrehe auslösen. Anweiden sollte langsam beginnen (10–15 Minuten am ersten Tag) und über mehrere Wochen schrittweise erhöht werden.
Welche Pferde haben ein erhöhtes Rehe-Risiko?
Übergewichtige Pferde, Ponys, Haflinger, Kaltblüter, Pferde mit EMS oder Cushing — und Pferde, die einseitig belastet werden (z. B. nach Verletzung am gegenüberliegenden Bein).