Sehnenschaden
Ein Sehnenschaden beim Pferd bezeichnet eine Verletzung oder Degeneration einer oder mehrerer Sehnen, am häufigsten im Bereich der Unterglieder, die zu Lahmheit und langwierigen Heilungsverläufen führt.
Als Sehnenschaden wird im pferdemedizinischen Sprachgebrauch jede Form der Schädigung von Sehnengewebe bezeichnet, die über eine physiologische Belastungsreaktion hinausgeht. Betroffen sind vor allem Sportpferde, da wiederholte Überbelastungen, falsche Hufstellung oder einmalige Traumata das empfindliche Sehnengewebe nachhaltig schädigen können.
Anatomische Grundlagen und häufig betroffene Strukturen
Im Vorderbein des Pferdes sind die oberflächliche Beugesehne (Flexor digitorum superficialis), die tiefe Beugesehne (Flexor digitorum profundus) sowie das Unterstützungsband (Fesselträger bzw. Ligamentum suspensorium) die am häufigsten in Mitleidenschaft gezogenen Strukturen. Die oberflächliche Beugesehne ist dabei statistisch besonders vulnerabel, da sie im Galopp Zugkräften ausgesetzt ist, die an die Grenzen ihrer Belastbarkeit heranreichen. Schäden an der tiefen Beugesehne treten häufig im Bereich der Hufrolle auf und sind diagnostisch anspruchsvoller.
Ursachen und Entstehungsmechanismen
Sehnenschäden entstehen entweder akut durch eine einmalige Überlastung oder schleichend durch kumulative Mikrotraumata, bei denen das Gewebe nicht ausreichend Zeit zur Regeneration erhält. Begünstigende Faktoren sind unter anderem ermüdungsbedingte Koordinationsstörungen, ungeeigneter Untergrund, Huffehlstellungen, unzureichendes Aufwärmen sowie genetische Dispositionen für ein weniger belastbares Sehnengewebe. Ältere Pferde sind zudem anfälliger für degenerative Veränderungen, da Sehnengewebe mit zunehmendem Alter an Elastizität verliert.
Symptome und Diagnose
Das klinische Bild reicht von einer diskreten Lahmheit und lokaler Wärmeentwicklung bis hin zu deutlicher Schwellung und Druckschmerzhaftigkeit im betroffenen Bereich. Charakteristisch ist die sogenannte Tendinitis, bei der die betroffene Sehne im Seitenvergleich verdickt und auf Palpation schmerzhaft erscheint. Das diagnostische Mittel der Wahl ist die Ultraschalluntersuchung, mit der Lage, Ausdehnung und Schweregrad der Läsion beurteilt werden können. Faserbündelrisse stellen sich sonografisch als echoarme Areale dar. In bestimmten Fällen ergänzen Röntgenaufnahmen, Szintigrafie oder Magnetresonanztomografie die Diagnostik.
Klassifikation und Schweregrad
Sehnenschäden werden üblicherweise nach dem Ausmaß der Faserunterbrechung klassifiziert. Man unterscheidet Zerrungen mit intakter Faserstruktur, partielle Risse mit einem Teilverlust des Faserquerschnitts sowie den vollständigen Sehnenriss, der eine absolute Ausnahme darstellt und eine schwerwiegende Prognose hat. Je größer der betroffene Querschnitt, desto ungünstiger ist in der Regel der Heilungsverlauf.
Behandlung und Rehabilitation
Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Verletzung. Konservativ wird zunächst durch kontrollierte Boxenruhe, Kühlung und entzündungshemmende Medikamente die akute Phase behandelt. Kontrollierte Bewegungstherapie in Form von geführtem Schritt ist essenziell, da mechanische Reize die Ausrichtung der neu gebildeten Kollagenfasern positiv beeinflussen. Ergänzend kommen Injektionsverfahren wie Platelet-Rich-Plasma (PRP) oder Stammzelltherapien zum Einsatz, die die Geweberegeneration fördern sollen. Die Rehabilitationszeit beträgt je nach Befund meist sechs bis achtzehn Monate, in schweren Fällen noch länger.
Prognose und Rezidivrisiko
Selbst nach erfolgreicher Heilung bleibt das Narbengewebe, das die ursprüngliche Sehnenstruktur ersetzt, mechanisch weniger belastbar als das ursprüngliche Gewebe. Das Risiko eines erneuten Sehnenschadens an derselben Struktur ist daher erhöht. Ein schrittweises, strukturiertes Aufbautraining nach der Rehabilitation sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen mittels Ultraschall sind entscheidend, um Rezidive zu vermeiden und eine dauerhafte sportliche Nutzung des Pferdes zu ermöglichen.
Häufige Fragen
Was ist ein Sehnenschaden beim Pferd?
Ein Sehnenschaden beim Pferd bezeichnet eine Verletzung oder Degeneration von Sehnengewebe, die über eine normale Belastungsreaktion hinausgeht und häufig zu Lahmheit führt. Besonders Sportpferde sind betroffen, da wiederholte Überbelastungen, Traumata oder Huffehlstellungen das empfindliche Sehnengewebe nachhaltig schädigen können.
Welche Sehnen sind beim Pferd am häufigsten von einem Sehnenschaden betroffen?
Am häufigsten geschädigt werden die oberflächliche Beugesehne, die tiefe Beugesehne sowie der Fesselträger im Bereich des Vorderbeins. Die oberflächliche Beugesehne gilt dabei als besonders gefährdet, da sie im Galopp Zugkräften ausgesetzt ist, die an die Grenzen ihrer Belastbarkeit heranreichen.
Wie entsteht ein Sehnenschaden beim Pferd?
Sehnenschäden entstehen entweder durch eine einmalige akute Überlastung oder durch schleichend akkumulierte Mikrotraumata, bei denen das Gewebe keine ausreichende Regenerationszeit erhält. Begünstigende Faktoren sind unter anderem Ermüdung, ungeeigneter Untergrund, Huffehlstellungen, unzureichendes Aufwärmen und genetische Veranlagung zu weniger belastbarem Sehnengewebe.
Sind ältere Pferde anfälliger für Sehnenschäden?
Ja, ältere Pferde sind anfälliger für Sehnenschäden, weil Sehnengewebe mit zunehmendem Alter an Elastizität verliert und damit degenerativen Veränderungen stärker ausgesetzt ist.
Wie wird ein Sehnenschaden beim Pferd diagnostiziert?
Die Diagnose eines Sehnenschadens ist je nach betroffener Struktur unterschiedlich anspruchsvoll, wobei Schäden an der tiefen Beugesehne im Bereich der Hufrolle als diagnostisch besonders komplex gelten. Für eine zuverlässige Beurteilung sind tierärztliche Untersuchungsmethoden erforderlich.